Dienstag, 25. Juli 2017

Resolution der Asien-Pazifik-Konferenz von Überlebenden des Sexhandels und der Prostitution

Wir dokumentieren eine Resolution von Prostitutions- und Menschenhandelsüberlebenden aus dem asiatisch-pazifischen Raum aus dem Jahr 2011. Übersetzung Manuela Schon
 
3. April 2011, Neu Delhi, Indien

Auf dieser Konferenz haben wir unsere Geschichten des Widerstands, des Überlebens, der Heilung, der Gesundung, des Zugangs zu Bildung, der Selbstorganisation und der Mobilisierung geteilt.

Gemeinsam lehnen wir die Legalisierung der Prostitutionsindustrie, die der Nachfrage des Sexhandels dient, ab, und fordern stattdessen die Bestrafung der Freier und der Betriebe, statt der Frauen. Wie Fatima, eine unserer Vorsitzenden sagt: „So lange wie es Freier gibt, wird der Sexhandel nicht beendet werden.“

Gesetze in der Region haben lange diejenigen, die in der Prostitution ausgebeutet werden, kriminalisiert und stigmatisiert, obwohl sie es sind, die die Gesellschaft und die Regierungen schützen sollten.

Prostitution floriert aufgrund der falschen Ideen, dass Frauen minderwertig, Sexobjekte und Handelsgüter sind, während Männer überlegen, alleinige Entscheidungsträger und Besitzer von Eigentum sind. Viele von uns wurden Opfer von Kinderehe, sexueller Gewalt in der Familie, verschiedenster Formen von sexueller Gewalt gegen Kinder und häuslicher Gewalt, bevor wir Opfer in der Prostitution wurden. Das System floriert aufgrund ökonomischer Ungleichheiten zwischen den Reichen und den Armen. Staatliche Politiken setzen unsere Länder wegen Sextouristen, Militär und großer Geschäfte aufs Spiel, auf Kosten der Existenz und körperlichen Integrität der Frauen. Das ist die Arbeit von patriarchalen, militaristischen und neoliberalen Wirtschaftspolitiken.

Wir sind vereint mit unseren Schwestern in der feministischen Bewegung und der Gewerkschaftsbewegung, die richtige Arbeit fordern, und nicht Prostitution; es braucht ökonomische Programme, die eine lokale und nachhaltige Beschäftigung schaffen, und die nicht Frauen aus dem Land schieben; die Sozialisierung der Pflege-Wirtschaft bei gleichzeitiger Anerkennung, das Hausarbeit Arbeit ist; ein größeres Budget für Frauen statt Militärausgaben.

Wir sind vereint mit den Bewegungen der Dalits, Aboriginies und Indigenen der Region, die anprangern, dass unsere Communities Zielscheibe für Sexhandel und Prostitution sind.

Unter uns sind junge Menschen, auch Männer, und Basisfrauen, die nicht nur die ökonomischen und politischen Systeme kritisieren, sondern auch die Ideologie der Maskulinität, aufgrund derer Frauen weiter unterdrückt werden.

Wir fordern außerdem umfassende Gesundheitsservices für uns als Frauen und unsere Kindern, denn unsere gesundheitlichen Bedürfnisse sind vielfältig. Wir fordern die HIV-AIDS-Organisationen auf, die Legalisierung der Sexindustrie abzulehnen, Prostitution nicht „Sexarbeit“ zu nennen, und sich wieder um die Verteidigung der reproduktiven Rechte und sexuellen Rechte von Frauen zu kümmern, bei denen es um die Kontrolle der Frauen über unsere eigenen Körper geht, und nicht die Ausbeutung durch Freier und die Industrie.

Feministische Heilung sollte das Kontinuum der Gewalt anerkennen, alternative Familien fordern (statt die Rückkehr in die Herkunftsgebiete, in denen ihnen die Revikitimisierung droht), Unterstützung von Pflege-Gemeinschaften, und die Förderung der Kreativität der Frauen. Alle Angebote sollten ihre Kinder berücksichtigen.

Wir fordern einkommensgenerierende Projekte, die geschlechts-sensitiv sind (nicht traditionelle Arbeiten) und die Prinzipien der Kooperation, Nachhaltigkeit, geteilten Profite und Fairtrade hoch halten.

Regierungen sollten Wohnmöglichkeiten zur Verfügung stellen, denn viele Frauen und Kinder in der Prostitution können nicht in die Communities zurückkehren, wenn Verwandte die Täter sind.

Wir fordern kostenfreie rechtliche Hilfe für Opfer und Zeugenschutz. Wir fordern, dass lokale und nationale Regierungen, die weiblichen Überlebenden in die Gesetzgebung einbeziehen und Lizenzen für Prostitutionsbetriebe entziehen.

Wir und die jungen unter uns fordern die Geschlechtersensibilisierung und einen größeren Zugang zu höherer Bildung.

Soziale Bewegungen müssen öffentliche Präventionskampagnen mit uns zusammen durchführen und uns dabei helfen das Stigma von den Opfern auf die Täter – die Freier und die Betreiber – zu verschieben,

Wir fordern die Bürgerschaftsrechte für alle, insbesondere die Frauen in der Prostitution, als ein fundamentales Menschenrecht. Opfer von grenzüberschreitendem Menschenhandel sollten nicht mit Zwang aus dem Zuzugsland entfernt werden, sondern Unterstützung im Einklang mit den Prinzipien des Palermo Protokolls erhalten.

Wir werden unsere Selbsthilfegruppen stärken und unsere Netzwerke für Jugendliche, Überlebende und soziale Bewegungen. Wir fordern zunächst die Aufhebung der Gesetze, die Frauen in der Prostitution kriminalisieren, und fordern Regelungen, die die Freier und die Betriebe kriminalisieren. Diese sollten die Auslieferung der Menschenhändler und Freier beinhalten, um deren Verurteilung sicherzustellen.

„Niemand ist unser Besitzer“, wie eine unsere Vorsitzenden, Fatima, sagte. Nicht der Ehemann, nicht der Vater, nicht der Zuhälter, nicht der Freier, nicht die Sexindustrie. Wir werden nicht müde zu betonen, dass wir für körperliche Integrität und Autonomie stehen.

Abschließend, versprechen wir, unsere Kampf für Heilung, Wiederherstellung, Empowerment und Aktivismus fortführen, indem wir uns weiterbilden, organisieren und mobilisieren um diese Gesellschaft zu ändern und Patriarchat, Rassismus, Kastendenken, Militarismus und Kapitalismus zu entwurzeln, die Prostitution und Sexhandel generieren und tragen.

3. April 2011, Neu Dehli, Indien

Jean Enriquez, Geschäftsführerin, Coalition Against Trafficking in Women-Asia Pacific

www.catw-ap.org

Montag, 17. Juli 2017

So viele „Frauenfreunde“ ……

„Frauenfreunde“ (und „-freundinnen“), die uns die Prostituierung ermöglichen, schöne Bordelle ermöglichen, den Straßenstrich ermöglichen, „Lovemobile“ ermöglichen, manchmal sogar Verrichtungsboxen für uns oder unsere Nachbarinnen besonders aus dem Osten aufstellen, Apartments aller Art ermöglichen, und die sich jetzt tapfer dafür einsetzen, dass der individuellen Gestaltung dieser Bordelle, Fahrzeuge, Apartments bitte nichts, und schon gar keine unangenehmen Auflagen, entgegengesetzt werden.

Die „Frauenfreunde“ machen das ganz selbstlos. Selbstlos, und nur im Interesse der sexuellen der Freiheit der Frauen und ihrer beruflichen Freiheit ermöglichen sie uns das. Sicher, bei Quotenregelungen halten sie sich zurück, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf interessiert sie eher im Zusammenhang mit den flexiblen Arbeitszeiten auf dem Strich und sonst eher nicht …. aber immerhin: Den Weg in die Prostitution ebnen sie uns gerne!


Freitag, 14. Juli 2017

Katastrophentourismus – oder endlich Konsequenzen? Brief von Save Rahab an die Stadt Frankfurt.

Abolition 2014 berichtete letztes Jahr auf Deutsch und Englisch über die Bahnhofsviertelnacht in Frankfurt, als Feiernde eingeladen waren, durch die Bordelle zu ziehen und sich ein Bild der dortigen Lage zu machen. Bereits im Vorfeld waren Versuche, über die für diese Nacht gedruckte Broschüre einzelne Bordelle zu bewerben, nach Protesten auch aus dem Stadtrat fehlgeschlagen. Der Blick in die Bordelle offenbarte dann eine Realität, die von den BefürworterInnen und VerharmloserInnen der Sexindustrie lieber vertuscht oder verdrängt wird.

Trotz der Möglichkeiten für eine breitere Öffentlichkeit, sich wirklich ein Bild vom Elend der Prostitution und der Frauen darin zu machen, lehnen wir diese Bordellbesichtigungen ab. Die davon betroffenen und angeschauten Frauen werden dadurch verängstigt und gedemütigt.

Solange aus der Einsicht in ihre Lebensbedingungen keine anderen Konsequenzen gezogen werden oder gezogen werden sollen als die üblichen Reaktionen aus Ankündigungen, Krokodilstränen, Romantisierungen und Ablenkungen, gibt es keinerlei Rechtfertigung für diese Aktionen, und auch sonst rechtfertigt der Zweck nicht die Mittel.

Unter anderem hat sich die Organisation Save Rahab nachhaltig diesem Thema gewidmet und zunächst eine Zusage erreicht, dass diese Öffnungen doch nicht mehr stattfinden sollten. Dies gilt jetzt nicht mehr. Zwar sollen wohl keine Bordelle einfach so „Nächte der Offenen Tür“ anbieten, aber Bordellführungen durch einschlägig bekannte Vereine und Personen inklusive entsprechender Belehrungen zum Thema sollen dann doch gestattet sein. (1) 

Wir zitieren eine Aktivistin: Veräppeln kann ich mich auch selbst.

Wir lehnen jede Form auch indirekter Werbung für Bordelle ab. Davon abgesehen wissen wir durch unsere Kenntnisse der Freierforen sehr genau, dass jede Beschreibung Männer anzieht, die sich an der Situation und dem Elend der Frauen erfreuen (wir nutzen ein höfliches Wort) und sie als besondere Aufforderung zur Ausübung von Gewalt wahrnehmen. Egal, welche putzigen Zettelchen zu Kondomen und Höflichkeit an sie ausgeteilt werden.

Montag, 3. Juli 2017

Warum die Kondompflicht nicht unnütz ist!

Am 1. Juli 2017 ist das neue "Prostituiertenschutzgesetz" in Kraft getreten, und wenngleich wir dieses Gesetz wegen seiner falschen Zielrichtung ablehnen (Prostitution kann nicht schön gemacht werden), ist manche Kritik daran reichlich absurd. Allerorten hört man Gekicher und Gelästere über die Kondompflicht, die "eh keiner kontrollieren könne", die "eh keinem nützt" und "an die sich keiner halten wird".

Wer so etwas von sich gibt, muss sich leider vorhalten lassen a) ein paar Dinge übersehen zu haben und b) die normative Wirkung eines solchen Gesetzes zu unterschätzen

a) Warum überhaupt niemand die Einhaltung der Pflicht direkt kontrollieren muss

Prostituierte Frauen wissen oft gar nicht wie für sie geworben wird. Freier berichten immer wieder in Foren, dass diesen nicht bekannt ist welche Sonderangebote und Services von den Betreibern aktuell ausgeschrieben sind.

Zentraler Bestandteil des neuen Gesetzes ist die Erlaubnispflicht für Prostitutionsstätten.
Wer gegen die gesetzlichen Auflagen wiederholt verstößt, riskiert den Entzug der Erlaubnis.
Eine Prostitutionsstätte, die nach wie vor im Netz mit "AO-Sex" durch die bekannten Stichworte "tabulos" etc wirbt, riskiert damit die Schließung. Entsprechend werden die Betreiber kein Interesse daran haben, dass in ihren Ausbeutungsbetrieben Recht gebrochen wird.

Donnerstag, 29. Juni 2017

Pressemitteilung des „Bündnisses Stop Sexkauf“ anlässlich des Inkrafttretens des „Prostituiertenschutzgesetzes“ am 1. Juli 2017



Ab dem 1.Juli 2017 gilt das „Prostituiertenschutzgesetz“. Das Bündnis Stop Sexkauf stellt fest, dass dieses Gesetz nicht die Frauen in der Prostitution schützt, sondern es befördert vielmehr ihre industrialisierte sexuelle Ausbeutung.

Das Bündnis Stop Sexkauf fordert als Perspektive die Abschaffung der Prostitution durch das Nordische Modell, deren zentraler Kern die Freierbestrafung ist. Prostitution ist Gewalt gegen Frauen, eine Verletzung ihrer Menschenwürde und das größte Hindernis für die konsequente Umsetzung der Gleichberechtigung in Deutschland.

Das Ziel von „Stop Sexkauf“ ist es, Prostitution grundsätzlich als Problem in einer Gesellschaft, die sich Geschlechterdemokratie auf die Fahnen geschrieben hat, sichtbar zu machen und sie zu beenden. Konkretes Ziel ist die Einführung der Freierbestrafung, die an der Nachfrage nach Prostitution auf Seiten von Männern ansetzt und diese sukzessive herunterfahren will. Wir orientieren uns am schwedischen Beispiel, das dieses Ziel bereits entwickelt hat und vorlebt. Die Folge ist, dass  Prostitution von mittlerweile über 80% der schwedischen Bevölkerung abgelehnt wird und  der Kauf von sexueller Benutzung von Frauen verpönt ist.  Damit wird ein Männlichkeits- wie Weiblichkeitsbild an die nachwachsende Generation vermittelt, das im Gegensatz zu Deutschland Männern keine sexuelle Verfügung über Frauen zugesteht und von Frauen keine Verfügbarkeit erwartet. Dies ist die Grundlage für eine effektive Gleichberechtigungspraxis. Darüber hinaus brauchen die Frauen in der Prostitution individuelle Unterstützung und wirksame Alternativen, uneingeschränkten Zugang zu Traumatherapie sowie eine existentielle Absicherung, um ihnen den Ausstieg aus der Prostitution zu ermöglichen.

Wir fordern eine öffentliche Aufklärung über die zerstörerische, entwürdigende Realität in der Prostitution und über die Bedingungen, die Frauen in die Prostitution einsteigen lassen: in aller Regel traumatische Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch, körperlicher wie psychischer Gewalt, Vernachlässigung, Armut, Zwang und Abhängigkeit.

Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Anita Heiliger, stellvertretend für das Bündnis Stop Sexkauf.


Dem Bündnis Stop Sexkauf haben sich bisher u.a. angeschlossen: Solwodi, Terre des Femmes, Karlsruher Appell, BI-gegen-Bordell Marburg, Kofra e.V., Karo e.V., Abolition 2014, Zero Macho Deutschland, SPACE international, Inga e.V., Feministische Partei, Ladies Team , Die Störenfriedas, "Scientists for a world without prostitution", EMMA, Stopp Sexkauf Saar

Montag, 26. Juni 2017

Feminism kicking the bucket – the häppy sexwörk lie and a feminism that just isn't.

Pixabay - CC0 Public Domain
This text by Mira Sigel originally appeared in German on the Störenfrieda website. There is also an outspoken refutation of the pseudofeminist celebration of prostitution (renamed “sexwork”) written by survivor Huschke Mau on her website, both in English and in German.

Background – in Germany, as in other countries, attitudes towards prostitution split the feminist movement (such as it is) and draws a clear line between opposing camps. Acceptance of the status quo, negotiation of terms within the current societies and male hegemony and individual empowerment to do just that? Or coherent political and ideological criticism of male hegemony and the status quo? A marketing of oppression, when it comes to sexually exploitative practices, or an ending of these practices? “Sex work” as an aspect of female (and female*) sexual liberation? Or a form of oppression? After being presented with the usual marketing strategies put forward by the sex industry, this time regurgitated by a group of people who call themselves “Feminismus im Pott”, Abolition 2014 were relieved to see feminists take this up and publish a reply. Solid myth busting, and we hope useful to our sisters and fellow abolitionists around the world.

The Störenfriedas, the “Disturberesses of the Peace“, people say, are always so much against everything. That is true. We are against a lot of things. We are here, because we loudly and clearly want to give voice to an opposing view, because we've had it with feminism becoming a lifestyle, with women no longer demanding nothing less than freedom for themselves, even when that means attacking ancient privilege and being downright inconvenient. A feminism that is convenient, pleasant, that is applauded by the centre of a society that neither recognises nor reflects upon its patriarchal precepts is no feminism, but this contradiction escapes most, and not by coincidence. Engage in “inclusive“ feminism, and you'll be used as a fig leaf, with publicity. Call out bullshit, and you'll be attacked. The first category is exemplified by the “Positioning on Sex Work“ by the feminist collective Feminismus im Pott. (1)

For quite some time I hadn't wanted to read it, because in the end it is only a repetition of the prostitution-bullshit-bingo we all know ad nauseam, but then I read it anyway. Doing so, I didn't know whether to laugh or to cry. Laugh, because such a contradictory stance steeped in lobby-speak  clearly unmasks what this is about (most certainly not the women, who anyway may only be named with loads of asteriks and other decorations (2) - “we are not all male“), or cry, because it shows that all the feminist struggles, all the courageous women across the world battling against a devastating and deeply misogynist system of exploitation and progressing there are bitterly needed and yet are being thrown back again and again within feminism.

Why? Why do we succeed in convincing hardcore brothel users that it is a sign of corrupted humanity to buy a 20 year old Romanian woman in a brothel and to rape her for money, and yet fail with those who like us allegedly join the fight to make life better for women? Internalized self-loathing? The ignorance of the privileged? An absolute lack of empathy? Or simply the result of brain-washing?

Our position as women* speakers is characterized by none* of our team engaging in sex work or defining herself as such*. Our position is that of a supporter, of an ally*,

Feminismus im Pott writes. I wonder: Have you ever spoken to women who are in prostitution or who have exited? Have you ever looked inside a brothel? The Ruhr area is full of those. And if this is too high a dosage of reality for you, it suffices to take few peeks into the local punters' forum, the Ruhr-Freierforum, and in order to avoid overtasking you, I have simply selected a few comments there from recent weeks:

One of the entries is about a girl named Belana. The punters are not sure if she is really of age, but they are happy that she is “so gloriously tight“. There is great worry that she may soon cease to offer her “fair“ services of various positions for € 30.00 as she begins to know the language better. But witty and smart as punters tend to be, they have a solution:

“Hello Lattman ( = boner man). In order to prevent that, we just have to keep ”stuffing her mouth“. She has already been acquainted with the right cork …. and she didn't get to make a sound with it!!!!! Regards, Strichscout ( = 'working' area scout)“

Lattmann and Strichscout write diligently, there's no trace of spelling or grammar, but according to their statements they daily buy sex and then grade the women. Although “women“ is the wrong term in their context. For these two men who are typical punters, women are not human beings whose sensitivity to pain needs to be taken into account:

“Irony on …. doesn't the length of the nipple depend on the pulling force of your fingers in combination with your ability to ignore/ not hear the lass's screams? Irony off …“

“Feminismus im Pott“ calls prostitution work and thus uses the ideologically loaded term “sex work“ that was originallycoined by the US lobbying organization NSWP in order to decriminalise the brothel keepers and the pimps and to have their actions viewed as normal activities. To again spell it out: This term has never meant the women, but the exploitative jobs around them. And this leads us right to the core of the entire häppy-sexwörk-machinery:  Who succeeds in making invisible what women in prostitution endure can succeed in turning paid rape into a service, pimps into managers, brothel keepers and traffickers into businessmen and punters into mere clients. This is how the euphemizing of prostitution works which “Feminismus im Pott“ busily contributes to. 

Prostitution is not a job, even if some like to pretend it is, with a fatalistic nod to global capitalism. Next, cleaners and geriatric nurses are cited, who also do unpleasant jobs nobody wants, and each and all of us who are in paid labour are said to be somehow prostituting ourselves. First the cynicism here is overwhelming in saying: “Capitalism owns it all anyway, our labour, our consumption, our time, our property, so we can also easily hand over our sexuality“, and to say this from the privileged position of well-educated, probably basically white women, who have never been brought into a situation where they had to sell their bodies to 20 men a day. Where then shall we draw a line? Selling our organs? Children?

Viewed like this everything about us is some commodity, our entire lives are perfectly commodified and the one and only way of dealing with capitalism is to wholly submit to it. Yet, and in addition, we are not, in fact, all equal before capitalism, capitalism needs a separation of the sexes and a subjugation of women in order to function. Women do the unpaid housework and care work, women sell their bodies, and this is then glorified as an “opportunity“ and as “self-determination“ by cynical German feminists. Not to see this and still call yourself a feminist is so absurd that it begs the question why some call it feminism, even. We know that most of the women neither want to work in prostitution nor to remain in it, but that our society hardly leaves them another option. This “no other option“ is then generously declared to be the pinnacle of a post-modern dealing with the capitalist world order. It doesn't get more contemptuous of humankind, nor more devoid of solidarity. 

It does make a huge difference whether someone receives their earnings via manual labour or via their own sexuality. Sexuality is a part of our personality, our identity. It is about the most intimate thing we have. How can this be sold? Or how can it be assumed that what is offered is a “sexual service“ that has nothing to do with ones's own sexuality? Scientistsand trauma experts have proven conclusively that women in prostitution are constrained into permanent dissociation, into permanently splitting off their thoughts and feelings, away from their bodies in order to be able to bear strangers using their sexuality, a procedure that has severe psychological consequences and can often only be endured through the use of alcohol or drugs. Since the vast majority of the women in prostitution have already undergone sexual violence in their childhood and youth, they know the mechanisms of dissociation and their trauma deepens.

Which job on earth, shitty as it may be, demands a splitting off of thoughts and feelings in order to bear it? In which job do I have to fear that a client may use my own scarf to strangle me? Regard beatings and physical pain as part of the equation? Allow being degraded and risk permanent sexually transmitted diseases?  

Prostitution is legal in Germany. And yet none of the women have health insurance, none of them pay into the pension system, none of them receive unemployment benefits. The woman herself neither profits from minimum pay nor from any legal provisions for her safety, she is surrendered to the punters' whims and to the traffickers. She cannot call in sick, she cannot declare her vacation. All of these points are clear evidence that prostitution is not a job, but a business in misery, and first and foremost capitalizing on women's misery.  And this is feminism's rub: Without partriachal oppression prostitution would be unthinkable. Its origins stem from slavery and the first slaves were women. It is not the world's oldest occupation, but one form of the world'soldest oppressions. And feminists manage to stand up and proclaim that prostitution as sex work is great? Prostitution is unthinkable without the dehumanization of women, without degrading them to purchaseable objects whose feelings, desires and rights count for nothing, and this is why prostitution regards us all. Not only because it is a matter of humanity to stand in solidarity with those who are being exploited in this way, but also because a society that views some women as venal, as purchaseable, views all of us as such and as of little value.

The punters who buy women each day by the hundreds of thousands and who then merrily write reports dripping with violence and hate, are our colleagues, our fathers, brothers, friends, partners and husbands. It is inconceivable that a feminist site publishes a declaration of bankruptcy and then calls that feminism.

If prostitution is such a great, as sexually liberating, activity, why is it only being engaged in by very young, very poor, very uneducated and above all non-German women? Why don't all those cynical pro-sex work “experts“ place themselves in the brothels and experience what they propagate on their own bodies? They could meet up with the punters there, whose rights they so diligently defend:

Hello,
I've got a possibly unusual question but am hoping for an answer. I'm looking for a woman in street prostitution who can be handled somewhat roughly and who can take a slap or one across the face. All that not too wild, (well, no real SM), but not the normal sex you get there as a standard. I know to find ladies and clubs on the internet., who offer this. But I want one used to working in a car or in open nature. Just sounds exciting to me. Thanks already for your help!

And of course there's a tip for him, fast:

Hey nk 1206 Personally I know of none out there, but I bet if you just ask around and put some extra dough with it you'll find something. I've always found the kind of stuff I wanted.
And believe me – normal sex is just boring :-D
I'm more into other stuff and I've always got it out there, right, a slap on the bum is not the same as one across the face as with that you take the person's rights. That is Degrading and I almost doubt if you find this. Little hint: try it with the junky fraction [i.e. drug addicted women in prostitution] :-)

If feminism works towards the acceptance of such attitudes in society then that feminism is kicking the bucket. It is a feminism that prepares women for accommodating to given conditions, to resign themselves to their own oppression and exploitation and that of their fellow women, a feminism that euphemizes terms in order to make them convenient to the mainstream and in order to render the misery, the suffering and the violence invisible. It is a feminism pressed into the service of the oppressors. There's nothing new to this, nothing revolutionary and it's got nothing to do with feminism either, but a lot with the capitulation of one's own reason and one's own heart before other people's vested interests in money and in power.

A final remark: To call the opponents of prostitution “neo-abolitionists“, a term resounding with “neo-fascism“ or “neo-nazi“ shows how far one is ready to proceed in the name of these interests. Just to be perfectly clear about this: This is not about self-determination or freedom. This is about the right of a few to sell other human beings and their most intimate core and to profit from the sale, it is about profit from the dehumanization of women. Is that still feminism or can that be thrown out? 

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(1) Feminismus im Pott: A group writing on the internet on feminist issues based in the “Ruhrpott“ area in Germany, a formerly highly industrialized area with its own working class pride. Pott  means “pot“ as in both saucepan and melting pot, and begs for the pun used when it is called Feminismus im Eimer – Feminism in the bucket, meaning “trashed”. (That is the politer version, Feminismus im A**** is rougher, and that word begins with an “a” in English, too.)

 
(2) asterisk, * in German usage of men*, women* or any noun that refers to a human being: The asterisk, which some universities have made mandatory, is to denote that “woman“ is a concept rather than a lived reality or position in society, and thus open to debate in its perception. That includes debating the perception of the conditions of women's lived realities (rather than the realities), and is meant to include all those who are or may be perceived as “women“ as well as all those who view themselves as such and wish to be included in the category. In other words, problems are a matter of perception rather than of conditions or power structures, and “woman” is a matter of identification rather than a specific position in a gendered society. In short: The terms become so open to interpretation that they are virtually meaningless and that is usually the intention. 

Sonntag, 7. Mai 2017

Loi contre le système prostitutionel - das französische Gesetz zur Freierbestrafung

Dieser Text erschien in leicht veränderter Form im November 2011 im Kofra-Heft Nr. 157.



Mit freundlicher Genehmigung von Abolition 2012.

Vorrede

I

„Alle Studien stimmen darin überein, dass prostituierte Personen Opfer besonders schwerwiegender Gewalttaten sind, die ihrer körperlichen und psychischen Unversehrtheit schaden.“

„Diese Tatsachen widersprechen den Grundsätzen des französischen Staates und unserer Gesellschaft, die eine Verwertung des menschlichen Körpers als Quelle des Profits ausschließen. Die sexuelle, körperliche und psychische Gewalt, die häufig die Prostitution begleitet und die wiederholten ungewünschten sexuellen Handlungen schaden der körperlichen Unversehrtheit der prostituierten Personen. Und schließlich widerspricht dieses Phänomen dem Grundsatz der Gleichstellung der Geschlechter.“ (Exposé des Motifs, Vorrede zum französischem Gesetz.)

II

"Prostitution ist zum einen ein Wirtschaftszweig, in dem erhebliche Umsätze erzielt werden und der wie andere Bereiche unternehmerischen Handelns den Eigengesetzlichkeiten der Marktwirtschaft folgt." (Erläuterung zum deutschen "Gesetz zur Regulierung des Prostitutionsgewerbes sowie zum Schutz von in der Prostitution tätigen Personen", Prostituiertenschutzgesetz 2016, Seite 1)

III

"Prostitution ist ein Wirtschaftsbereich, der in einem sehr hohen Maße durch Asymmetrien im Geschlechterver- hältnis geprägt ist. Prostituierte sind zu einem weit überwiegenden Anteil weiblich; [...] Dementsprechend ist das Gesetz [...] auch gleichstellungspolitisch bedeutsam. Es trägt dazu bei, Nachteile der geschlechterasymmetrischen Ausprägungen der Prostitution zumin- dest teilweise zu kompensieren. (Gesetzesbegründung zum Prostituiertenschutzgesetz 2016, Punkt VI, 6 (Seite 61, letzter Punkt vor dem letzten Punkt zu "Befristung, Evaluation")

Weitere Erläuterungen sind eigentlich nicht mehr nötig, die Position von Frauen in Deutschland wird hier eindrücklich klargestellt. Vielleicht noch ein Hinweis auf das Grundgesetz und auf einen Artikel dazu auf diesem Blog. Wenden wir uns also nun Frankreich zu:

Grundlage für das französische Gesetz

„Prostitution an sich ist Gewalt. […] Sie ist die einzige Form der sexuellen Gewalt, die in unseren Gesetzen als solche fehlte. […] Ich behaupte, dass die Abschaffung der Prostitution eine Pflicht für jede Gesellschaft ist, die die Menschenrechte achtet.“ Maud Olivier, Sozialistin, Abgeordnete und Verfasserin des Gesetzes auf ihrer Webseite am 22. Dezember 2015. (1)

Im April dieses Jahres stimmte die französische Nationalversammlung zum vierten und endgültigen Mal über das Gesetz zur Freierbestrafung ab. Sie beendete damit das unwürdige Tauziehen mit dem französischen Senat und gab mit ihrem Votum dem von den französischen Sozialisten 2013 eingebrachten Gesetzentwurf gegen die konservative Mehrheit im Senat statt.

Damit entschied sich die französische Republik für eine auf Tatsachen basierende Bewertung der Prostitution als Gewalt an Frauen und als unvereinbar mit der Würde und dem Wert der menschlichen Person.